Curriculum Bruxismus

Diagnostik und Behandlung von Wach- und Schlafbruxismus. Rehabilitation des Abrasionsgebisses.

 

Seit über 100 Jahren ist Bruxismus – das Knirschen und Pressen mit den Zähnen – Anlass für unzählige Debatten und Kontroversen innerhalb der Zahnärzteschaft. Tatsächlich sind bis heute weder die Ätiologie eindeutig geklärt noch stehen adäquat wirkende Therapien zur „Heilung“ zur Verfügung. Dem praktisch tätigen Zahnarzt sind vor allem die Auswirkungen, wie Schäden an den Zähnen, dem Zahnhalteapparat, Kopfschmerzen oder Kiefergelenkprobleme, allgegenwärtig. Hinzu kommt, dass sich viele Patienten ihrer parafunktionellen Gewohnheiten nicht bewusst sind und weder Schmerzen noch andere subjektive Beschwerden bemerken. In Einzelfällen führt das dazu, dass die manchmal sehr aufwändige, restaurative Behandlung von Abrasionsgebissen erst begonnen wird, wenn der Patient sich ästhetisch beeinträchtigt fühlt, die Zähne schon deutliche Schäden aufweisen oder funktionelle Probleme spürbar werden. In anderen Fällen sind Kenntnisse pathophysiologischer Zusammenhänge bei der Therapieplanung von großem Nutzen, wenn Bruxismus im Zusammenhang mit schlafbezogenen Atemstörungen, bei craniomandibulären Dysfunktionen (CMD) oder als sekundärer Bruxismus infolge bestimmter Medikamente auftritt.

 

Im Rahmen dieses 4-tägigen Mini-Curriculums werden die Teilnehmer in die Lage versetzt, Bruxismus nach den aktuellen Kriterien sicher zu diagnostizieren und präventive sowie kurative Maßnahmen zum Schutz der Zähne, der umgebenden Gewebe und Strukturen des craniomandibulären Systems zu planen und durchzuführen. Ausgehend von der Diagnose wird die für den jeweiligen Bruxismustyp geeignete Schienentherapie vorgestellt. Ergänzt durch moderne Biofeedbackverfahren werden unter Berücksichtigung psychosozialer Einflüsse einfache verhaltenstherapeutische Übungen erläutert sowie der Stellenwert medikamentöser Therapie und die Anwendung von Botulinumtoxin diskutiert. Neben einem Ausflug in die zahnärztliche Schlafmedizin werden auch Behandlungsprinzipien bei Kinder und Jugendlichen mit Bruxismus erörtert. Ausführlich wird auf die Diagnostik von CMD, die Rolle der Okklusion und die Möglichkeiten interdisziplinärer CMD-Behandlung eingegangen. Die Rehabilitation des Abrasionsgebisses ist ein weiterer Schwerpunkt. Ausgehend von der systematischen Bewertung der vorliegenden Zahnabnutzung wird ein Konzept vorgestellt, das die Entscheidungsfindung hinsichtlich Beginn, Art und Umfang der Behandlung des Abrasionsgebisses erleichtert. Es werden sowohl das minimalinvasive Vorgehen zur Frühbehandlung von Attritionen als auch prothetisch-rehabilitative Verfahren zur Erhöhung der Vertikaldimension im fortgeschrittenen Abrasionsgebiss anhand von klinischen Fällen aus dem zahnärztlichen Alltag besprochen. Schließlich werden Tipps und Hinweise gegeben, wie Restaurationen, Zahnersatz und Implantatversorgungen konzipiert werden können, um den erhöhten Belastungen bestmöglich zu widerstehen.

Das Curriculum endet mit einem kollegialen Abschlussgespräch im Rahmen der DGFDT-Jahrestagung, in dem die Kursteilnehmer die Gelegenheit erhalten, eigene Fälle vorzustellen und zu diskutieren.

 

Eine Studiengruppe umfasst mindestens 16 und maximal 20 Teilnehmer.

 

Modul 1
Kursort: Berlin
Freitag: 16.03.2018   14:00-20:00 Uhr
Samstag: 17.03.2018  09:00-17:00 Uhr
Kursgebühren Modul 1:
APW / DGFDT Mitglied:     € 720,00
Nichtmitglied:        € 820,00


 
Modul 2
Kursort: Berlin
Freitag:13.04.2018 14:00-20:00 Uhr
Samstag: 14.04.2018  09:00-17:00 Uhr
Kursgebühren Modul 2:
APW / DGFDT Mitglied:     € 630,00  
Nichtmitglied:        € 730,00


Kollegiales Abschlussgespräch: € 462,20 zzgl. Ust.

Fortbildungspunkte:
19 Fortbildungspunkte pro Modul
Abschlussgespräch 15 Fortbildungspunkte

WK01 Diagnostik und Management von Wach- und Schlafbruxismus

Curriculum Bruxismus

Modul 1

Prof. Dr. Olaf Bernhardt / Dr. Mattias Lange

 

Tag 1
Diagnostik von Wach- und Schlafbruxismus

 

Da die Ätiologie von Bruxismus bis heute erst in Ansätzen verstanden ist – zunehmend mehren sich die Stimmen, dass Bruxismus in weiten Teilen Ausdruck physiologischer Prozesse ist – zielt die Behandlung im Wesentlichen auf die mit dem Phänomen verbundenen Folge-erscheinungen wie Schmerzen im craniomandibulären System, übermäßige Abnutzung der Zähne und Schäden an Restaurationen und am Zahnersatz. Neue Konzepte sehen zudem vor, nicht nur zu reagieren, sondern rechtzeitig Präventivmaßnahmen zum Schutz der betroffenen Gewebe und Strukturen zu ergreifen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Bruxismus-Diagnostik, mit deren Hilfe das aktuelle Bruxismus-Risiko bestimmt werden kann. Zur individuellen Behandlungsplanung ist es darüber hinaus wichtig, Schlaf- und Wachbruxismus sowie primären und sekundären Bruxismus voneinander abzugrenzen, Risikofaktoren sowie Komorbiditäten zu bestimmen und eine strukturierte Bestands-aufnahme der Folgeschäden im orofazialen Bereich durchzuführen.

 

Seminarinhalt:

  • Mythen, Glaube & Evidenz – Geschichte, Ätiologie und Pathophysiologie von Bruxismus
  • Risiken ... – Stress/Depression/Angst; Schlafstörungen; Genussmittel; Psychopharmaka; Okklusion
  • ... und Nebenwirkungen – Schäden an Zähnen, Zahnersatz   und Implantaten; Hypertrophie der Kaumuskulatur; Myofasziale Schmerzen; Schäden im Kiefergelenk, Kopfschmerzen
  • Bruxismus-Status – Kompaktes, praxistaugliches Diagnostikkonzept nach den aktuellen Bruxismus-Kriterien der DGFDT
  • Screening- und Monitoring-Verfahren – Für die tägliche Praxis (Bite Strip, BruxChecker, GrindCare 2.0, BruxOff u. a.).
  • Ätiologie und Diagnostik des „Abrasionsgebisses“ – Tooth Wear Evaluation System (TWES) nach Wetselaar/Lobbezoo  (2016), Einfluss mechanischer (Attrition/Abrasion) und  chemischer (Erosion)
  • Erfassung psychosozialer Kofaktoren – In der Praxisroutine
  • Bruxismus und zahnärztliche Schlafmedizin – Zusammenhänge und therapeutische Schlussfolgerungen
  • Bruxismus bei Kindern und Jugendlichen – Normal oder behandlungsbedürftig?

 

Tag 2
Management von Wach- und Schlafbruxismus

 

Das klassische PPP-Konzept (Plates, Pills, Pep-Talk dt.: Schienen, Medikamente, Aufklärung) wird eingedenk des gegenwärtigen Kenntnisstandes durch eine Reihe von Maßnahmen erweitert. Neben der Vermeidung von Risikofaktoren (z. B. Medikamente, Genussmittel), der Behandlung von Komorbiditäten (OSA, Reflux, CMD) gehören dazu auch präventive Maßnahmen, wie das Monitoring und die Frühbehandlung der Attrition, die Etablierung eines defensiven Okklusionskonzeptes und die Auswahl geeigneter Materialien und Konstruktionen beim Zahnersatz. Die Umsetzung praxiserprobter Techniken und Verfahren wird Schritt für Schritt erklärt und anhand von Fallbeispielen anschaulich demonstriert.

 

Seminarinhalt:

  • Management – Aufklärung und Information; einfache verhaltenstherapeutische Verfahren; Selbstbeobachtung/Wahrnehmung (Reminder-Schiene, RelaxBogen)
  • Anwendung mobiler Anwendungen – BruxApp für iPhone und  Android
  • Schienentherapie – Von Miniplast bis Michigan - Indikationen, Tipps und Tricks; aktuelle Theorien zur Wirkungsweise  (Schindler und Türp, 2016), Potenzial und Gefahren partieller Schienen
  • Biofeedback – GrindCare, Bruxane, MyoStaeb, Das Münsteraner Biofeedbackkonzept
  • Botox – Anwendung bei Bruxismus, Nebenwirkungen und rechtliche Würdigung
  • Früherkennung und Prävention – Minimalinvasive Verfahren zur Behandlung von Attritionen
  • Bruxismus bei Kindern – Therapeutische Möglichkeiten und  Grenzen

 

Übungen:

  • Erhebung des Bruxismus-Status
  • Bestimmung des Abnutzungsgrades der Dentition
  • Erprobung von Diagnostiksystemen für Schlafbruxismus
WK02 Rehabilitation des Abrasionsgesetztes

Curriculum Bruxismus

Modul 2

Prof. Dr. Ingrid Peroz

 

Tag 1 
Bruxismus & CMD

 

Bruxismus ist ein bedeutender Risikofaktor bei der Entstehung und Unterhaltung craniomandibuärer Dysfunktionen (CMD). Infolge der anhaltenden Be- und Überlastung der beteiligten Gewebe klagen die Patienten nicht selten über Schmerzen im Bereich der Kaumuskulatur, Kiefergelenke und der Zähne. Darüber hinaus kann eine dauerhafte Bruxismusaktivität strukturelle Veränderungen in der Kaumuskulatur (z. B. Hypertrophie) und den Kiefergelenken (z. B. Diskusverlagerungen) begünstigen.

 

Eine Besonderheit bei diesem komplexen Krankheitsgeschehen liegt darin, dass sich die Patienten ihrer parafunktionellen Aktivität oft nicht bewusst sind. Mit Hilfe der klinischen Funktionsdiagnostik wird es möglich, diese Zusammenhänge aufzudecken, Ursachen für die CMD-Symptome auf den Grund zu gehen und eine individuelle Therapie, unter besonderer Berücksichtigung der Parafunktionen, zu planen. Eine besondere Rolle spielt die funktionelle Vorbehandlung im Rahmen der prothetischen Rehabilitation des so genannten Abrasionsgebisses. Vor allem funktionell-ästhetische als auch prothetische Gründe erfordern regelmäßig eine Erhöhung der Vertikaldimension. In solchen Fällen dient die Schienentherapie, neben der Behandlung einer eventuell vorhandenen CMD, auch dem Austesten der mit der Neuversorgung verbundenen neuen Bisslage.

 

Seminarinhalt:

  • Zusammenhänge zwischen Bruxismus und CMD
  • Die klinische Funktionsdiagnostik
  • Die funktionelle Vorbehandlung und Evaluation:
  • Selbsthilfemaßnahmen
  • Physiotherapie
  • Schienenbehandlung
  • Medikation

 

Praktischer Teil

  • Übungen zur klinischen Funktionsanalyse
  • Anfertigung Zentrikregistrat

 

Modul 2

Prof. Dr. Torsten Mundt

 

Tag 2 
Prothetische Rehabilitation des Abrasionsgebisses

Die prothetische Rehabilitation von Abrasionsgebissen bedeu-tet für den Behandler immer einen besonders hohen Aufwand an Dia-gnostik, Planung, Vorbehandlung und bei der definitiven Therapie. Bei fortgeschrittener Zahnabnutzung ist in vielen Fällen eine Erhöhung der vertikalen Dimension notwendig. Von Patientenseite ist neben einem oft nicht unerheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand eine hohe Motivation und Bereitschaft zur Mitarbeit unabdingbar. Von der sorgfältigen Analyse der Ist-Situation über die Simulation und Visualisierung der angestrebten funktionell-ästhetischen Veränderungen bis hin zur Erprobung der Vertikaldimension und der Umsetzung in die definitive Versorgung wird im Rahmen dieses Seminars ein erprobtes Behandlungskonzept vorgestellt, das diesen Anforderungen Rechnung trägt. Darüber hinaus beleuchtet das Seminar Aspekte bei der Planung, Konstruktion und Nachsorge von Zahnersatz und Implantatversorgungen unter den speziellen Bedingungen bei Bruxismus-Patienten.

 

Seminarinhalt:

  • Kurzer Exkurs Diagnostik (Unterlagen, Interpretation,  Dokumentation
  • Vorbehandlung (Schiene, Pfeilerverlängerung, Endodontie und Stiftstumpfaufbau, Implantate)
  • Therapieplanung (festsitzend/herausnehmbar, partiell oder „full mouth“, Materialauswahl, Ausdehnung Verblendung)
  • Weitere Therapiemöglichkeiten (konservierend, Dahl‘s  Prinzip
  • Besonderheiten implantatgetragener Zahnersatz
  • Gestaltung herausnehmbarer Zahnersatz
  • Therapie „step-by-step“ festsitzend und herausnehmbar (Festlegung der vertikalen Kieferrelation, Wax-up, Mock-up, provisorische Versorgung chairside/labside, sichere Überführung der therapeutischen Position)

 

Praktischer Teil

  • Planungsübungen
  • Nachsorgestrategie, Komplikationsmanagement

Hauptreferent/-in

Dr. Matthias Lange
Weitere Kursreferenten
Prof. Dr. Olaf Bernhardt
Prof. Dr. Torsten Mundt
Prof. Dr. Ingrid Peroz

Informationen

Kursart: CURRICULUM
Fachgebiet: Craniomandibuläre Dysfunktion und Schmerztherapie

Ansprechpartner/-in

Anja Kaschub
0211/669673-40