Curriculum Endodontologie

Das Curriculum Endodontologie der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET) in der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) stellt eine in sich abgeschlossene Folge von Fortbildungs- und Aufbaukursen dar, mit dem Ziel, Zahnärzten eine Aktualisierung und Vertiefung ihrer Kenntnisse auf diesem Fachgebiet zu ermöglichen. Die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme wird mit der Verleihung eines entsprechenden Zertifikates bescheinigt.

 

Das Curriculum umfasst insgesamt 134 Fortbildungsstunden. Diese werden in sieben verschiedenen Wochenend-Kursabschnitten absolviert, wobei die praktischen Kurse, die durchgängig mit der Unterstützung von Operationsmikroskopen durchgeführt werden, in der Regel bereits am Donnerstag beginnen. In den Qualifikationskursen werden unterschiedliche didaktische Methoden eingesetzt (Vorlesungen, Demonstrationen, praktische Übungen, Falldemonstrationen). Die Teilnehmer präsentieren ab dem zweiten Kursabschnitt eigene Fälle und referieren einen aktuellen wissenschaftlichen Artikel zu dem Thema des Abschnittes.

 

Das Curriculum endet mit einer Abschlussprüfung in Form eines kollegialen Gesprächs vor einem von der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) und der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET) in der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) bestimmten Kollegium. Voraussetzung für die Teilnahme an der Abschlussprüfung ist neben der vollständigen Absolvierung des Kursprogramms die Einreichung von zehn dokumentierten, selbstständig durchgeführten komplexen Behandlungsfällen (Wurzelkanalbehandlungen) mindestens zehn Wochen vor dem Termin der Abschlussprüfung. Diese Behandlungsfälle sollten endodontische Maßnahmen im Sinne von Wurzelkanalbehandlungen mit der Darstellung des behandlerischen Umfeldes (definitive Versorgung, Einbindung in die restaurative Versorgung, Indikation zu korrigierender Chirurgie, Kombination mit parodontaler Behandlung) und einer Kontrolle mindestens sechs Monate später umfassen. Die dokumentierten Fälle sind Gegenstand des kollegialen Fachgespräches. Das Zertifikat der DGZ/APW erhalten die Teilnehmer des Curriculums Endodontologie nach bestandener Abschlussprüfung.

 

Kursgebühr    APW/DGET/                   Nicht-
                    DGZ-Mitglieder                Mitglieder
                
WK 1                  580,00 €                    670,00 €
WK 2                  540,00 €                    630,00 €
WK 3                  845,00 €                    980,00 €
WK 4                  910,00 €                 1.050,00 €  
WK 5                  540,00 €                    630,00 €  
WK 6                  590,00 €                    680,00 €    
WK 7                  900,00 €                 1.040,00 €

 

Prüfung               500,00 €                    571,43 €
                       zzgl. MwSt.                 zzgl. MwSt.

 

Gesamtkosten       5.500,00 €                          6.360,00 €

 

 

WK01 Einführung und Grundlagen des Curriculums und der Endodontologie

Prof. Dr. Gernhardt, PD Dr. Sonntag

 

Einführung in das Curriculum

  • Eröffnung des Curriculums
  • Zeitlicher Ablauf des gesamten Curriculums
  • Anforderungen an die Teilnehmer
  • Informationen zum Abschlussgespräch

Einführung in die Endodontie

  • Geschichte der Endodontie
  • Anamnese, allgemeine und spezielle Diagnostik, klinische Untersuchung
  • Epidemiologie der unterschiedlichen Erkrankungen in der Endodontologie
  • Schmerz & Anästhesie

Endodontie und Implantologie

  • Zahnerhalt versus Zahnersatz
  • Prognosen der endodontischen Behandlung

Einführung in Falldokumentationen und Literaturreferate

  • Möglichkeiten der Falldokumentation
  • Gestaltung von Fallpräsentationen und Literaturrecherche
  • Foto-Dokumentationskurs mit praktischen Übungen

Indikationen in der Endodontie und Behandlungsplanung

  • Indikationen für endodontische Behandlungen
  • Behandlungsplanung
  • Kofferdam
WK02 Erkrankungen der Pulpa, DVT in der Endodontie, Notfallbehandlung u. Forensik

Prof. Dr. Figgener, Prof. Dr. Schäfer,

PD Dr. Bürklein


Pulpabiologie und -pathologie

  • Struktur, Histologie und Funktion der gesunden Pulpa
  • Regressive Veränderungen der Pulpa
  • Pathohistologie der Pulpitiden
  • Pathohistologie periradikulärer Veränderungen

Vitalerhaltende Maßnahmen

  • Voraussetzungen
  • CP-Behandlung
  • Direkte Überkappung
  • Materialien zur Versorgung der Dentinwunde und des exponierten Pulpagewebes
  • Vitalamputation

Notfallendodontie

  • Schmerzursachen; Differenzierung odontogener versus nicht odontogener Schmerz
  • Dentinhypersensibiität
  • Reversible und irreversible Pulpitiden
  • Symptomatische apikale Parodontitiden mit und ohne Abszess
  • Infraktur
  • Anästhesietechniken
  • Medikamentöse Begleittherapie (Antibiotika, Analgetika)

Endodontie und Allgemeingesundheit

  • Fokaltheorie
  • Bakteriämie, antibiotische Abschirmung
  • Erkrankungen des Herzens
  • Erkrankungen der Niere
  • Diabetes mellitus
  • Gelenkprothesen
  • AIDS/HIV
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Bisphosphonate
  • Patienten vor und nach Organtransplantation, Chemotherapie und Radiatio

DVT in der Endodontie

  • Grundlagen (Entwicklung, Funktionsweise, Unterschiede zum CT)
  • Basisprinzipien der DVT
  • Indikationen in der Endodontie (und fachübergreifende Indikationen)
  • Möglichkeiten, Stärken und Schwächen der DVT
  • Fallbeispiele
  • strahlenhygienische Aspekte

zudem ggf. praktische Übungen möglich

  • Übungsmöglichkeiten an Rechnern anhand von Fallbeispielen
  • Diagnostik
  • systematische Vorgehensweise bei der Diagnostik (welche Ansicht und/oder Schichtebene gilt es zu wählen, Schichtdicke, Kontrastierung)
  • Darstellungsmöglichkeiten (MPR-Ansicht, Implantat-Ansicht)
WK03 Mikrobiologie, Zugangskavität, Wurzelkanalpräparation u. Desinfektion

Prof. Dr. Hülsmann et al.
 

  • Präendodontischer Aufbau
  • Arbeitsplatz
  • Mikrobiologie
  • Desinfektion des Wurzelkanalsystems (Spülung und med. Einlage)
  • Trepanation des Zahnes und Zugangskavität
  • Bestimmung der Arbeitslänge
  • Manuelle und maschinelle Aufbereitung des Wurzelkanals
WK04 Wurzelkanalfüllung und dentale Traumatologie

Prof. Dr. Weiger, Dr. ElAyouti

 

Wurzelkanalfüllung in Theorie und Praxis

  • Ziele einer WF und Voraussetzungen für eine WF
  • Anforderungen an WF-Materialien einschl. Sealer; Toxizität und Allergie
  • Vertikale Kondensation – Technik, Materialien, Bedeutung von Überfüllungen
  • Laterale Kondensation – passive vs. forcierte laterale Kond.,  Vorgehen,  Längsfrakturen
  • Einstifttechnik – „warme“ Technik vs.  Teilstifttechnik; Vor-/Nachteile
  • WF mit fließfähiger kalter Guttapercha (GuttaFlow) – Technik; Vor-/Nachteile
  • Adhäsive/semiadhäsive WF – Theorie; Vor-/Nachteile
  • WF bei komplexen Fällen: Resorption, offener Apex, c-förmiges Kanalsystem, Via falsa
  • Einfluss der WF-Technik auf die Prognose
  • WF-Technik und Stiftinsertion
  • Bedeutung des koronalen Leakage


Ergänzt wird der theoretische und praktische Teil durch Fallbesprechungen, Literaturvorstellung und Bewertung wurzelkanalgefüllter Zähne (z.T. in Gruppenarbeit)

 

Dentale Traumatologie

  • Häufigkeit, Prävention; Besonderheiten beim jungen Patient
  • Diagnostische Maßnahmen und Erstversorgung
  • Biologische Grundlagen als Pfeiler für eine erfolgreiche Therapie
  • Kronenfraktur und Kronen-Wurzelfraktur mit/ohne Pulpaeröffnung – aktuelle Behandlungskonzepte und Prognose
  • Dislokationsverletzungen (pal. Dislokation, Avulsion, Intrusion) – aktuelle Behandlungskonzepte, Schienung, Spätfolgen und Prognose
  • Die Rolle der Pulpa und des Parodonts im Heilungsverlauf – Ersatzresorption („Ankylose) infektionsbedingte externe Resorption
  • Konzepte zur pulpalen Regeneration
  • Vorstellung der erforderlichen Materialien und Medikamente
  • Literaturvorstellung
WK05 Management von Komplikationen, Einsatz von MTA

Prof. Dr. Mente et al.

 

Endodontische Problem-Situationen wie Perforationen, progrediente perforierende Wurzelresorptionen, die ausbleibende Heilung periradikulären Gewebes (z.B. nach nicht optimalen Wurzelkanalbehandlungen), Instrumentenfrakturen und auch die Entfernung von Stiftensystemen auf Metall- Glas- oder Quarzfaserbasis stellen eine große Herausforderung für den endodontologisch tätigen Zahnarzt dar. Gleiches gilt für die Obturation von stark geschwächten, oftmals apikal weit offenen Zahnwurzeln.

In diesem Kursabschnitt werden Strategien zur Erhaltung von Zähnen mit derartigen komplexen Ausgangssituationen dargestellt und anhand von diversen Fallbeispielen und klinischen Studienergebnissen diskutiert. In praktischen Übungen können die Kursteilnehmer wichtige Arbeitsschritte unter Sicht eines Dentalmikroskops selbst nachvollziehen.

Glasfaserstifte werden in der Zahnmedizin mehr und mehr verwendet, Wie diese Stiftsysteme im Bedarfsfall schnell und ohne Anschaffung eines teuren Equipments wieder entfernt werden können, kann jeder Kursteilnehmer praktisch am Echtzahn üben. Ein Schwerpunkt des Kurses liegt auch in der Vermittlung der sinnvollen praktischen Anwendung von MTA, wobei auch auf Grenzsituationen der Anwendungsmöglichkeiten dieses Materials Bezug genommen wird.

 

Kursinhalte in Stichpunkten:

 

  • Behandlungsstrategien für die endodontische Versorgung geschwächter oder perforierter Zähne/ Zahnwurzeln mittels innovativer Materialien und an die individuelle Situation angepassten Obturationstechniken
  • Verschluss von Perforationen mittels biokompatibler Materialien wie Mineral Trioxide Aggregate (MTA)
  • Behandlungsstrategien bei perforierenden externen oder internen Wurzelresorptionen
  • Neue Strategien bei der Versorgung von apikal offenen Zähnen
  • Behandlungsplanung von komplexen endodontologischen Fällen
  • Entfernung metallischer Stiftaufbauten und Stifte mittels oszillierender
  • Instrumentenantriebe und –formen im Rahmen von Endo-Revisionen
  • Entfernung von Wurzelstiften auf Glas-oder Quarzfaser-verstärkter Kompositbasis mittels rotierender Instrumente im Rahmen von Endo-Revisionen
  • Entfernung frakturierter Wurzelkanalinstrumente mittels substanzschonender Zugangstechniken
  • Intentionelle Replantation - eine Behandlungsoption in der heutigen Zeit?
  • Prognose von endodontisch behandelten Zähnen
  • Praktische Übungen zur Applikation und Entfernung von MTA (apikaler MTA-Plug, Perforationsverschluss)
  • Praktische Übung – Entfernung Glasfaserstift
  • Für die praktischen Übungen werden Dentalmikroskope gestellt – jeweils 2 Kursteilnehmer teilen sich ein Mikroskop
WK06 Milchzahnendodontie, Revision der Wurzelkanalbehandlung

Prof. Dr. Kühnisch, Dr. Schlichting

 

Die Milchzähne sichern eine normale Gebissentwicklung, die Kaufunktion, die Phonetik und ein ästhetisch ansprechendes Erscheinungsbild des Kindes, so dass ihr Erhalt bis zur physiologischen Exfoliation als Therapieziel klar anzustreben ist. Der Kursteil „Milchzahn-Endodontie“ zielt dabei auf die Beschreibung der Indikationen, Kontraindikationen und relevanten klinischen Arbeitsschritte von endodontische Behandlungsverfahren am Milchzahn ab. Das Spektrum umfasst Maßnahmen, die dem Schutz der vitalen Pulpa dienen (Caries-profunda-Therapie), die Vitalität der exponierten Pulpa sicherstellen (direkte Überkappung, Pulpotomie) oder auf eine Wurzelkanalbehandlung abzielen (Pulpektomie mit nachfolgender Wurzelkanalfüllung). Folgende Themengebiete werden mit dem Kursteil abgedeckt:

  • Indikationen und Kontraindikationen zu endodontischen Verfahren am Milchzahn
  • Möglichkeiten und Grenzen der Erhaltung des Milchzahnes
  • Caries-profunda Behandlung
  • Direkte Überkappung im Milchgebiss
  • Pulpotomie im Milchgebiss
  • Wurzelkanalbehandlung im Milchgebiss
  • Management des endodontischen Notfalls am Milchzahn

 

Endodontie am bleibenden Zahn mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum

  • Besonderheiten des Zahnes mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum
  • Caries-profunda Behandlung
  • Direkte Überkappung
  • Pulpotomie
  • Apexifikation
  • Medizinische Einlagen, Materialien und Techniken der Wurzelkanalfüllung 1

 

Revision einer Wurzelkanalbehandlung

 

Eine Wurzelkanalbehandlung kann scheitern, wenn Bakterien im Kanalsystem zurückbleiben oder neue Mikroorganismen über Undichtigkeiten in das Kanalsystem eindringen. Die Indikation für eine Revisionsbehandlung ist gegeben bei klinischen oder röntgenologischen Anzeichen einer apikalen Parodontitis nach vorangegangener Wurzelkanalbehandlung. Auch der röntgenologische Nachweis unvollständig gefüllter Kanalabschnitte kann eine Indikation zur Revisionsbehandlung sein. Die Revisionsbehandlung zielt darauf ab

  • die vorhandene Wurzelkanalfüllung vollständig aus dem Kanal zu entfernen
  • den Kanal vollständig mechanisch und chemisch aufzubereiten und
  • den Kanal anschließend dicht zu füllen.

 

Folgende Themen werden im Kursteil behandelt:

  • Indikationen zur Revisionsbehandlung
  • Vorbereitende Maßnahmen
  • Die Entfernung von Wurzelfüllmaterialien aus dem Kanal
  • Die Entfernung von Stiftaufbauten
  • Die Entfernung von Instrumentenfragmenten
  • Die Präparation, Desinfektion und erneute Obturation des Kanalsystems
  • Möglichkeiten und Grenzen der Revisionsbehandlung

Der Kurstag gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil.

WK07 Operationsmikroskop und Ergonomie, postendodontische Versorgung, Endochirurgie

Curriculum Endodontie, WK07

Operationsmikroskop und Ergonomie in der täglichen Praxis, postendodontische Versorgung, Endochirurgie

Prof. Dr. Gernhardt, Dr. Vahedi

 

Postendodontische Versorgungen

  • Besonderheiten des wurzelkanalbehandelten Zahnes
  • Theoretische Aspekte der postendodontischen Versorgung
  • Restaurationsmöglichkeiten nach erfolgter Wurzelkanalbehandlung
  • Stiftsysteme und deren klinische Anwendung
  • Adhäsive Versorgung endodontisch behandelter Zähne

Endochirurgie

  • Wurzelspitzenresektion Indikation und Durchführung
  • Kronenverlängerung
  • Apikaler Verschiebelappen
  • Rezessionsdeckung
  • Therapie furkationsbefallener Molaren
  • Endo-Paro Läsionen
  • Praktischen Übungen am Schweinekiefer

Das Operationsmikroskop (OPM) in der Endodontie

  • Aufbau OPM
  • Integration des OPM in der Praxis
  • Arbeitsplatzgestaltung und -organisation
  • angepasstes Instrumentarium und Techniken
  • Patienten- und Behandlerpositionierung
  • Die mikroskopische Assistenz
  • Tipps und Tricks
  • Praktische Übungen

 

 

WK08 Zertifizierung - kollegiales Abschlussgespräch

Prof. Dr. Gernhard, Dr. Bijan Vahedi

 

Kollegiales Abschlussgespräch und Klausur im Rahmen einer DGET-Tagung

Ansprechpartner

Anna Lo Bianco 0211/669673-41

Informationen

Kursart: CURRICULUM
Fachgebiet: Endodontologie

Referenten

PD Dr. Sebastian Bürklein
Dr. med. dent. Ashraf ElAyouti
Prof. Dr. Dr. Ludger Figgener
Prof. Dr. Christian Ralf Gernhardt
Prof. Dr. Michael Hülsmann
Prof. Dr. Jan Kühnisch
Prof. Dr. Johannes Mente
Dr. med. dent. Ralf Schlichting
Prof. Dr. Edgar Schäfer
PD Dr. David Sonntag
Dr. Bijan Vahedi
Prof. Dr. Roland Weiger