Curriculum Zahnerhaltung präventiv und restaurativ

Präventive und restaurative Maßnahmen im Rahmen moderner Zahnerhaltung sind die tragenden Elemente der meisten Zahnarztpraxen. Gerade der Prävention gehört in jedweder medizinischen Disziplin die Zukunft. Dabei hat sich das Verständnis der Erkrankung Karies sowie von Kariesprävention und –management in den letzten 20 Jahren ebenso geändert wie der restaurative Ansatz. Einerseits lässt sich heute mit präziseren Verfahren der Kariesbeurteilung und der gezielten Beeinflussung des pathogenen Biofilms der Kariesprozess häufig non- oder mikroinvasiv kontrollieren. Andererseits sind die Erwartungen der Bevölkerung an die Zahnärzteschaft hinsichtlich ästhetisch ansprechender und gleichzeitig Substanz schonender und stabiler restaurativer Versorgungen kontinuierlich angestiegen, so dass die Bedeutung hochwertiger Restaurationen künftig noch mehr zunehmen wird. Auch die demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft haben in diesem Zusammenhang großes Gewicht.

 
Die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) hat deshalb ein gemeinsames, fachübergreifendes APW-Curriculum zu dieser Thematik entworfen. In sechs Wochenendkursen werden die wichtigsten Neuerungen auf dem Gebiet der präventiven und restaurativen Zahnerhaltung vermittelt, wobei die Bedürfnisse der Zahnarztpraxis im Mittelpunkt stehen. Es ist so gestaltet, dass die Kenntnisse aus einer Mischung von Theorie, Praxis und kollegialem Austausch intensiv vertieft werden können. Darüber hinaus haben die Kursteilnehmer an den Kurswochenenden Gelegenheit, Fragen zu aktuell in ihrer Praxis auftretenden Behandlungsproblemen zu stellen und mit den Kursteilnehmern unter Moderation der Kursleiter zu diskutieren.

 

Das Curriculum umfasst insgesamt 12 Fortbildungstage. Es werden jeweils zwei Kurstage zu einem Wochenendkurs zusammengefasst. In der Regel findet der Kurs Freitag von 14.00 – 18.00 Uhr und Samstag von 09.00 bis 17.00 Uhr statt.

 

Das Curriculum endet mit einer Abschlussprüfung in Form eines kollegialen Gesprächs vor einem von der APW sowie der DGZ bestimmten Kollegium. Voraussetzung für die Teilnahme an der Abschlussprüfung ist neben der vollständigen Absolvierung des Kursprogramms die Einreichung von drei dokumentierten, selbständig durchgeführten komplexen Behandlungsfällen. Diese Behandlungsfälle sollten anspruchsvolle präventive und restaurative Maßnahmen umfassen.

 

Das Zertifikat der APW erhalten die Teilnehmer nach dem Abschlusskolloquium.

 

Kursgebühr                  APW/DGZ-           Nicht-
                                   Mitglieder             Mitglieder
        
WK 1                           470,00 €             540,00 €
WK 2                           440,00 €             510,00 €
WK 3                           500,00 €             570,00 €
WK 4                           470,00 €             540,00 €
WK 5                           470,00 €             540,00 €
WK 6                           350,00 €             400,00 €
        
Prüfung                        536,00 €             620,00 €
einschl. MwSt.    

        
Gesamtkosten                     3.236,00 €               3.720,00 €

 

WK01 Kariesdiagnostik und Falldokumentation

 

Prof. Dr. Rainer Haak, PD Dr. Felix Krause

 

 

Die Karies ist nach heutigem Verständnis als ein Erkrankungsprozess zu verstehen, in dem sich kariöse Läsionen in einem Kontinuum unterschiedlicher Ausprägungen präsentieren. Dabei kommen initiale Läsionen mit nicht eingebrochenen Oberflächen deutlich häufiger vor als ausgeprägte Defekte mit mikro- und makroskopischen Kavitationen, wodurch die Detektion und Bewertung kariöser Läsionen wesentlich erschwert wird. Mit dem Wissen, dass der kariöse Prozess lange vor der Kavitation startet, ergeben sich neue Anforderungen an Diagnostik und Therapie. Während klinisch etablierte kariöse Defekte früher hauptsächlich restaurativ behandelt wurden, so ist es das Ziel eines modernen Kariesmanagement-Konzepts, die Zähne möglichst unversorgt zu erhalten und auftretende kariöse Läsionen bereits auf subklinischem Niveau zu erkennen und stabil zu halten.

 

Durch die Etablierung von Diagnosetechniken- und Verfahren wird eine frühe und valide Kariesdetektion ermöglicht und der Zahnarzt mit zusätzlichen Informationen in seiner Behandlungsplanung unterstützt. Neben der visuellen Inspektion stehen dem Behandler zur weiteren Beurteilung nicht invasive optische, elektrische und bildgebende Verfahren zur Verfügung. Diese Techniken eignen sich sowohl für die Primärdiagnostik wie auch für die Kariesverlaufs-kontrolle im Rahmen der Erhaltungstherapie. Darüber hinaus stellt sich aber auch während der restaurativen Therapie die Frage, wie kariös verändertes Gewebe zu beurteilen ist. Auch hier ist diagnostisches Know-how gefragt.

 

In diesem ersten Modul wird zunächst in die Konzeption und Durchführung des Curriculums eingeführt. Hierbei werden die Modalitäten der Falldokumentation besprochen und die Dokumentationssystematik dargestellt. Neben der Vorstellung der klinischen Dokumentationsunterlagen wird praktisch geübt, einen Fotostatus zu erstellen. Als inhaltlicher Schwerpunkt dieses Moduls werden verschiedene Verfahren für die Kariesdiagnostik vorgestellt und kritisch bewertet. Darüber hinaus sollen Konsequenzen für die Behandlungsplanung erarbeitet werden.

 

Im Einzelnen:

 

  • Einführung in das Curriculum
  • Falldokumentation
  • Demonstration und Übungen zur Fototechnik
  • Epidemiologie der Karies
  • Beurteilung von Diagnoseverfahren
  • Methoden der Kariesdiagnostik: u.a. visuelle Inspektion (ICDAS), digitale Radiologie, Impedanzspektroskopie, Laserfluoreszenz, Nahinfrarot-Transillumination
  • Kariologische Befunderhebung und Dokumentation
  • Kariesaktivität und Kariesmonitoring
  • Kariesexkavation, -entfernung
  • Live-Demonstrationen und Übungen zu den Verfahren
WK02 Non- und Mikroinvasives Kariesmanagement: Fluoridierung bis Infiltration

 

Prof. Dr. Hendrik Meyer-Lückel

 

Insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat sich das Erscheinungsbild der Karies in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Manchmal bekommt man deshalb den Eindruck, dass der kariologische Behandlungsbedarf zukünftig stark abnehmen könnte. Bis in das Dentin kavitierte Läsionen treten zwar wirklich weniger in jungen Jahren auf, allerdings sind frühere Kariesstadien in allen Altersgruppen nach wie vor sehr häufig. Bei älteren Patienten rückt die nicht kavitierte Wurzelkaries stärker in den Fokus. Eine ausschließliche Unterscheidung von ‚gesunden’ und ‚stark erkrankten’ Zahnflächen ist deshalb nicht mehr zeitgemäß, vielmehrt sollte ein Kariesmonitoring initiale Stadien abgrenzen, um rechtzeitig non- und mikro-invasiv behandeln zu können. Im Seminar werden aufbauend auf das vorhergehende Modul diagnostische Hilfsmittel zum Kariesmonitoring vor allem infiltrierter approximaler Karies diskutiert und teilweise praktisch angewendet sowie ein Konzept zur Kariesdokumentation im Rahmen eines systematischen Recalls vorgestellt. Die wissenschaftliche Evidenz und die konzeptionelle Umsetzung traditioneller sowie aktueller non- (z. B. neue Produkte zur Remineralisation) und mikro-invasiver (Kariesinfiltration) Therapieoptionen werden erläutert und insbesondere die approximale Kariesinfiltration am Phantomkopf geübt.

 

Im Einzelnen:

  • Epidemiologie - Gibt es in Zukunft überhaupt noch Karies?
  • Wie beobachtet und dokumentiert man insbesondere infiltrierte Approximalkaries am besten? (mit praktischer Übung)
  • Non-invasive Therapie: Ernährungsberatung, Biofilmmanagement sowie Methoden der Remineralisation (Fluoridierung, Tooth Mousse)
  • Mikro-invasive Therapie: Okklusal – approximal – ästhetisch relevante  Zahnflächen mit Hands-on Kurs am Phantomkopf zur Kariesinfiltration

 

WK03 Komposit im Seitenzahnbereich- Neue Indikationen in Extremfällen

 

 

Prof. Dr. Dr. Staehle, Prof. Dr. D. Wolff, PD Dr. C. Frese und Mitarbeiter

 

 

Neue Indikationen

 

  • Zweischritt-Restaurationen („R2“-Restaurationen)
  • Direkte „Kompositkronen“
  • Lückenschluss im Seitenzahnbereich durch Zahnverbreiterungen
  • Neue Möglichkeiten von Reparaturrestaurationen
  • Nachträgliche Verbesserung von insuffizienten Approximalkontakten
  • Verbesserung der Hygienefähigkeit durch subtraktive und additive restaurative Maßnahmen
  • Umfangreiche Rehabilitationen mittels direkter Kompositrestaurationen bei komplexen Ausgangssituationen (z. B. Behandlung von Patienten mit generalisierten Erosionen)

 

Problemlösungen

 

  • Versorgung extrem tiefer Kavitäten
  • Neue Optionen der Trockenlegung
  • Darstellung der Kavitätenumrisse und Blutungsmanagement
  • Grenzen der Matrizentechnik und neue Lösungsansätze
  • Neue Insertionstechniken
  • Herstellung suffizienter  approximaler Kontakte bei der Versorgung sehr ausgedehnter Kavitäten
  • Ausarbeitung schwer zugänglicher Areale

 

WK04 Nicht-karies bedingte Zahnhartsubstanzdefekte - von der Diagnose zur Therapie

 

Prof. Dr. Carolina Ganß, Prof. Dr. Michelle Ommerborn, Prof. Dr. Nadine Schlüter

 

Die richtige Diagnose- Grundlage für die Therapie

 

  • Klinische Formen nicht-kariesbedingter Zahnhartsubstanzdefekte (nkZ),
  • Nomen est Omen- kann man aus der Defektmorphologie auf die Ursachen schließen?
  • Klinische Diagnostik exponierten Dentins
  • histologisch Aspekte nkZ, Abgrenzung physiologischer/pathologischer Formen von nkZ
  • BEWE mit Diagnostikübung (Modellanalyse + klinische Bilder)

Ursachenkomplexe von nkZ

 

  • Physikalisch/chemische/funktionelle Faktoren: Pathomechanismus verstehen
  • Erosivität von Lebensmitteln und Getränken
  • Rolle von Mundhygienegewohnheiten und Lebensstil
  • Effekte von Parafunktionen
  • Allgemeinerkrankungen und Medikation als Ursachen für nkZ
  • Funktionen des Speichels

Folgeerkrankungen von nkZ

 

  • Hypersensibilität (mit Therapie), Funktionsstörungen, Okklusion, PAR

Prävention und nicht-invasive Therapie- kausale Strategien

 

  • Ernährungsanamnese und Ernährungsveränderung
  • Empfehlungen für Patienten mit Essstörungen und chronischem Erbrechen
  • Mundhygieneempfehlungen: wann und wie Zähneputzen

Prävention und nicht-invasive Therapie- symptomatische Strategien

 

  • Symptomatische Therapie mit Fluoriden/polyvalenten Metallkationen: Wirkungsmechanismus und Effektstärken
  • neue (Nano)Wirkstoffe und Mundhygieneprodukte- wirken die wirklich? (hier nicht Hypersensibilität)

Restaurative Therapie

 

  • Wann versorgen? Spezielle Histologie- spezielle Adhäsivtechnologie?
  • Versorgung keilförmiger Defekte- Tipps und Tricks; Rekonstruktion generalisierter okklusaler Defekte- Materialien und Techniken
  • geeignete Okklusionsschienen,
  • Indikation selektiven Einschleifens

Fallberichte aus der Praxis für die Praxis

 

  • Teilnehmer bringen eigene Fälle mit (Modelle oder Photos) zur Therapieplanung/als Bericht einer gelungenen Behandlung/eines Misserfolgs
  • Abschlussdiskussion
WK05 Füllungstherapie im Frontzahnbereich

Füllungstherapie im Frontzahnbereich

 

Der natürliche Zahn als Vorbild für jede Restauration setzt hohe Anforderungen an das verwendete Material an den Zahntechniker sowie an den Zahnarzt. Im Falle direkter Kompositrestaurationen im Frontzahngebiet liegt die gesamte ästhetische Verantwortung in den Händen des Behandlers. Am natürlichen Zahn angelehnte Schichttechniken schaffen die Voraussetzungen für vorhersagbare ästhetische Resultate. Diese werden anhand zahlreicher klinischer Fälle demonstriert – vom einfachen Eckenaufbau bis zur intentionellen Replantation tief zerstörter Zähne. Nicht alles was möglich ist, ist auch sinnvoll, aber vieles was sinnvoll ist, wird auch machbar – mit einem konsequenten, standardisierten Vorgehen. Ferner werden die vielen kleinen Details besprochen, die entscheidend sind, um die Vorteile des jeweils gewählten Materials auch tatsächlich ausnutzen zu können: praxisnah und trotzdem evidenzbasiert.

 

Schwerpunkthemen:

 

  • Grundlagen der Ästhetik: worauf kommt es wirklich an?
  • Komposite: welches Material ist optimal, welches weniger geeignet?
  • Schichttechnik: einfach oder aufwändig?
  • Perfekt naturgetreue Restaurationsoberfläche: in 3 Minuten machbar?
  • Langzeitergebnisse mit Komposit?
  • Komposit nach Zahntrauma: auch bei tiefen subgingivalen Frakturen?
  • Komposit nach Parodontalbehandlung: schwarze Dreiecke beseitigen, Zahnstellung korrigieren
  • Komposit als definitive postendodontische Restauration: mit oder ohne Stift?
  • Komposit im Erosions- und Abrasionsgebiss: was ist machbar, was ist noch sinnvoll?
  • Präfabrizierte Kompositschalen: macht das Sinn?
  • Praktische Übungen: Ästhetische Frontzahnrestaurationen (abhängig vom verfügbaren Zeitrahmen)

 

Highlight: Jeder Teilnehmer erhält eine DVD mit Videofilmen, die das Vorgehen am Patienten veranschaulichen.

 

WK06 Indirekte Restaurationen (inkl. Hands-on Übungen)

WK06, Indirekte Restaurationen

Prof. Dr. Roland Frankenberger

 

Die Möglichkeiten der direkten Versorgung kariöser Läsionen mit Komposit sind heute im Vergleich zu den 1990-er Jahren ungleich besser. Sowohl im Front- als auch im Seitenzahnbereich bieten moderne Kompositmaterialien eine sehr gute Perspektive der minimal-invasiven, ästhetischen Versorgung. Auf der anderen Seite sind nicht zuletzt durch die GOZ 2012 indirekte Restaurationsvarianten attraktiv geblieben. Aber: Gibt es eigentlich noch eine Indikation dafür und wenn ja: Wo beginnt sie – wo endet sie?


Dieses Modul beschäftigt sich mit der indirekten Versorgung extendierter kariöser Läsionen mit Hilfe etablierter und innovativer Verfahren und Materialien. Grundaussage in diesem Modul ist, dass die indirekte Versorgung wesentlich komplexer und schwieriger ist als die direkte Restauration mit Komposit. Einen wesentlichen Anteil nimmt neben der Erörterung der indirekten Adhäsivtechnik und Präparation auch die Betrachtung von CAD/CAM-Verfahren ein.

 

Im Einzelnen:

  • Adhäsivtechnik: Was ist anders bei Inlay und Teilkrone?
  • Battle of the Bottles: Die Teilnehmer bonden um die Wette
  • Präparation bei Keramik- und Polymerinlays
  • Präparation von Teilkronen
  • Adhäsives Befestigen – Abgrenzung zu selbstadhäsiven Materialien
  • Politursystematik bei unterschiedlichen Werkstoffen
  • CSA: Ceramic Success Analysis – Dokumentation von Erfolg und Misserfolg
  • Hands-on von A(dhäsion) bis Z(ementieren)

 

WK07 Zertifizierung - kollegiale Abschlussgespräche

 

 

Prof. Dr. Roland Frankenberger

 

Das Curriculum endet mit einer Abschlussprüfung in Form eines kollegilaen Gesprächs.

Ansprechpartner

Anna Lo Bianco 0211/669673-41

Informationen

Kursart: CURRICULUM
Fachgebiet: Restaurative Zahnheilkunde

Referenten

Prof. Dr. Roland Frankenberger
PD Dr. Cornelia Almuth Frese
Prof. Dr. Carolina Ganß
Prof. Dr. Rainer Haak
Prof. Dr. Gabriel Krastl
PD Dr. Felix Krause
Prof. Dr. Hendrik Meyer-Lückel
Prof. Dr. Michelle Alicia Ommerborn
Prof. Dr. Nadine Kai Schlüter
Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle
Prof. Dr. Diana Wolff